Donnerstag, 9. September 2010


Artikel

Oktober 2009 | Artikel

"Verschwunden im Bermudadreieck der Cloud"

(Link zum Artikel: http://www.software-support.biz/jaxenter/artikel/2618)

Wenn Daten im Nebel verschwinden

Text: Martin Wildam
Kürzlich war ich im 19. Stock eines Hochhauses und musste feststellen: Näher an den Wolken heißt weiter weg von der Internet-Cloud - denn der Empfang da oben war schlecht für mein Mobile-Internet-USB-Modem und ist dann ganz ausgefallen (wie übrigens auch regelmäßig auf meinem Heimweg, wenn die Schnellbahn durch die Tunnel fährt). "Was mache ich jetzt?", dachte ich mir. "Was bringt mir überhaupt so ein Computerteil ohne Internetzugang?"
Teil 1   Teil 2   Teil 3   

Ha, aber mitschreiben kann ich! Textverarbeitung ist ja zum Glück noch lokal installiert und auch ohne Internet voll einsatzfähig. Microsoft will das ja mit dem nächsten Release ein bisschen ändern - Office über den Browser und so. Kann mir aber glücklicherweise egal sein, ich bin ja schon vor langem auf Open Office umgestiegen. Ich werde also sicher auch weiterhin selbst ohne Internetverbindung Texte schreiben können. Ohne Internetverbindung? Wie oft kommt das schon vor? Bei mir zum Glück nicht so oft, ich lebe in einem Land, in dem die Internetanbindung im Normalfall sehr gut ist (heute war ein paar Stunden lang Ausfall - vielleicht ein Bagger am Bau - aber das ist wirklich die Ausnahme). Ordentliche Internetanbindung gibt es aber nicht überall, selbst in unseren Breitengraden nicht (siehe z.B. "Brieftaube so schnell wie Breitband-Internet"). Manch einer würde sagen, das sind vernachlässigbare Fälle. Aber sind Menschen ohne Internet etwa Menschen zweiter Klasse?

Warum rede ich überhaupt vom Einzel-Endbenutzer? Reden wir doch vom Geschäft, Business interessiert uns. Das ist die Welt, in der heute von "Software as a Service" (kurz SaaS), "Service oriented Architecture" (kurz SOA), sowie von SOAP- und RESTful Webservices und B2B die Rede ist. An jeder Straßenecke bietet sich Software heutzutage als Webdienst an (ob's Sinn macht oder nicht). Interessant in diesem Zusammenhang scheint mir die Anmerkung auf Wikipedia, dass der Begriff "Cloud Computing" eigentlich sehr jung ist und es noch keine eindeutige Definition gibt.

Wie? Alle reden davon, aber wir wissen noch nicht genau, was es ist? Dabei ist es in der IT doch meistens so, dass man wenigstens am Anfang noch eher weiß, wovon die Rede ist. Je mehr Hersteller dann auf den Zug aufspringen, desto schwammiger wird die Geschichte. Es heftet sich dann irgendwann einfach jeder die Sache auf die Fahnen und schreibt es auf die Verpackung. So zum Beispiel ist doch ein jeder Multifunktions-Scanner- Drucker heute schon ein echtes Dokumenten-Management-System (kurz DMS) - hatten wir ja schon vor ein paar Jahren.

Ab wann ist eigentlich ein Dienst im Internet als Beitrag zum Cloud-Computing zu sehen? Könnte man nicht fast jede Website, so zum Beispiel die nicht nur von Privatleuten, sondern auch vom IT-Support-Business viel genutzte Google-Suche als solchen Beitrag ansehen? Oder Übersetzungsseiten wie Leo?

Webanwendungen wie Google-Docs, Salesforce-CRM, mite, Zoho und wirklich viele, viele andere gehören sowieso zu den Webdiensten für IT-Auslagerer. Aus meiner Sicht machen sie vor allem dort wirklich Sinn, wo unterschiedliche Unternehmen reibungsloser zusammenarbeiten wollen (z.B. Programm im Reisebüro schickt Reservierungsanfragen an diverse Hotels und Fluglinien).

Wie auch immer: So wandert schließlich die gesamte IT-Abteilung in die Cloud und wenn man ein Problem hat, tönt mitunter auch eine halbwegs verständliche, englische Stimme über die Online- Meeting-Software aus dem Nebel der Cloud (vorausgesetzt, es handelt sich nicht um ein Internetproblem und man versucht es zur richtigen Tageszeit). Ich habe allerdings auch schon von einem Fall gehört, bei dem es dann Streit zwischen den (nunmehr separaten) Firmen gegeben hat und die nach Fernost ausgelagerte Programmierfirma einfach alles zusammengepackt hat und abgetaucht ist - sozusagen verschwunden im Bermudadreieck der Cloud.

Teil 1   Teil 2   Teil 3   

Kommentare

Gravatar Myri 16.10.2009
um 10:21 Uhr
Der Teil mit den V.I.P.-Clubbings gefällt mir. #zitieren
Gravatar Julia Soergel 16.10.2009
um 11:00 Uhr
An einer möglichen Definition des »Cloud Computings« samt Einschätzung versuchten sich übrigens ebenfalls sehr lesenswert einige Angehörige des UC Berkeley: http://www.eecs.berkeley.edu/Pubs/TechRpts/2009/EECS-2009-28.html #zitieren
Gravatar Harry 16.10.2009
um 12:00 Uhr
Hmm da bekommt Terrorismus eine ganz neue Bedeutung.Zahlt oder irgendwo auf der Strecke geht das Funklan flöten..So ne Axt ist schnell gefunden o.0 #zitieren
Gravatar Martin Wildam 19.10.2009
um 10:09 Uhr
Man müßte halt die Funkmasten so tarnen wie das bei den Handymasten mittlerweile üblich ist: Die können aussehen wie ein Baum oder eine Straßenlaterne und keiner merkt es. Dann müßten die Terroristen schon in großen Holzfällerarmeen ausrücken. ;-) #zitieren