Donnerstag, 9. September 2010 |
Dirk Primbs ist Technologieberater bei der Developer Platform & Strategy Group der Microsoft Deutschland GmbH. Dort befasst er sich generell mit den Technologien im .NET-Umfeld, hegt aber eine besondere Vorliebe für Themen rund um Sicherheit, UI und Visualisierungstechnologien sowie verteilte Systeme. Er ist Autor von Fachartikeln, spricht regelmäßig auf Konferenzen und ist Referent beim Microsoft TechTalk.
Mit XNA und der Express-Edition von Visual C# bietet Microsoft demnächst eine Entwicklungsumgebung für Spiele an. Das kostenlose Angebot wird sich in erster Linie an Hobbyisten und Universitäten richten. Rekrutiert Microsoft so den Nachwuchs für die großen Spiele-Studios?
Dirk Primbs: Da sprechen Sie einen wichtigen Aspekt an. Nachwuchsförderung ist eine echte Notwendigkeit im Bereich der Spieleprogrammierung. Mit XNA wird hier sicherlich für viele ein Anreiz geschaffen, sich mit der Materie auseinanderzusetzen und den Einstieg in die Branche zu finden. Allerdings richtet sich XNA derzeit nicht an den reinen Einsteiger, sondern eher an Programmierer mit soliden Vorkenntnissen. Von der Zusammenarbeit mit Universitäten darf man sich da aber sicherlich Einiges erhoffen.
Mit Visual Studio for Office Tools hat Microsoft eine spezialisierte Version seiner Entwicklungsumgebung für Office-Entwickler auf den Markt gebracht. Handelt es sich bei den Spieleentwicklertools ebenfalls um ein "aufgebohrtes" Visual Studio?
Dirk Primbs: XNA ist mehr als das. Neben den Erweiterungen für Visual C# Express besteht es aus Bibliotheken für Grafik, Sound, Input etc. und einem objektorientierten Framework, das das Leben des Programmierers deutlich vereinfachen wird. Ein Komponentenansatz macht es möglich, einzelne Elemente flexibel wiederzuverwenden und dann sind da noch die Starterkits, die als Ausgangspunkt für eigene Spiele dienen können. Der Fokus liegt also nicht darauf, Visual Studio abzuwandeln, sondern in erster Linie auf den Technologien außen rum.
Was unterscheidet XNA vom klassischen .NET-Framework? Welche Gemeinsamkeiten gibt es?
Dirk Primbs: Die XNA-Bibliotheken sind Managed Code, d.h. sie basieren auf dem .NET Framework und erweitern es um Funktionalitäten zur Spieleentwicklung. So gesehen stellt sich die Frage nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden nicht wirklich. Auf dem PC ist das herkömmliche .NET Framework die Grundlage und auf der Xbox 360 eine spezielle Version der Common Language Runtime. Die Unterschiede liegen in der Hauptsache bei den vorhandenen Funktionsbibliotheken und weniger beim Framework an sich.
Wird es Entwicklern durch das XNA-Framework möglich, Spiele zu entwickeln, die sich wahlweise auf Windows-PCs oder der Xbox-Konsole installieren lassen?
Dirk Primbs: Ja.
Starter-Kits sollen Spieleentwicklern den Einstieg in die Entwicklung spezieller Genres behilflich sein. Was beinhalten diese Kits, wie viele wird es davon geben und welche Spieletypen adressieren sie?
Dirk Primbs: Derzeit sind mehrere Starterkits in Arbeit, die genaue Anzahl und Genres stehen noch nicht fest. Allerdings werden verschiedene Genres abgedeckt.
Beginnend bei einem 2D-Spiel bis hin zu relativ aufwändigen 3D-Spielen wird es für jeden Geschmack etwas geben.
Plant Microsoft darüber hinaus Aktivitäten für die Aus- und Weiterbildung von Spieleentwicklern auf Basis von XNA?
Dirk Primbs: Microsoft kooperiert derzeit weltweit mit einigen Universitäten und fördert aktiv Communities in dem Bereich, die sich mit der Thematik auseinandersetzen. Da gerade die Entwicklung auf der Konsole im akademischen Bereich auf einiges Interesse stößt, ist Microsoft auch hier mit Know-how-Trägern präsent und arbeitet an geeigneten Inhalten.
Die Entwicklung der Spielelogik ist das eine, die künstlerische Ausgestaltung das andere bei der Spieleentwicklung. Welche Unterstützung liefert Microsoft hierzu?
Dirk Primbs: In einzelnen Teilbereichen wie Grafik oder Sound gibt es Werkzeuge von Microsoft, die verwendet werden können. Für alle anderen Bereiche unterstützt XNA eine Reihe von Standardformaten und Schnittstellen, um eine reibungslose Zusammenarbeit mit Fremdprodukten zu gewährleisten.
Welche Planungen existieren für den Einsatz von XNA im professionellen Bereich? Plant Microsoft auch für den Spielemarkt eine Toolsuite für den gesamten Application Lifecycle?
Dirk Primbs: Microsoft will die XNA-Technologie weiter ausbauen und wird im Zuge dessen sicherlich die Visual-Studio-Erweiterungen weiterentwickeln. In welche Versionen von Visual Studio sie sich integrieren und welcher Art diese Integration sein wird, steht jedoch noch nicht fest. Für viele Aspekte der Spieleentwicklung lässt sich aber auch heute schon eine Suite wie Visual Studio Team System verwenden und mit XNA Build steht ein leistungsfähiges Buildsystem speziell für Spieleentwickler zur Verfügung.
Vielen Dank für das Gespräch!